Whatsapp, Threema, Google, Facebook, NSA – Ein Kommentar

Facebook kauft Whatsapp für 19 Milliarden US-Dollar. Eine Firmenübernahme, eigentlich nichts besonderes. Was macht die Übernahme jedoch so besonders? Man braucht sich nur im eigenen Freundes- / Bekanntenkreis umschauen und kann feststellen, dass nahezu jedermann davon mitbekommen hat. Vor ein paar Jahren wäre das noch nicht denkbar gewesen, dass für eine kleine App, die nichts anderes macht als die Infrastruktur bereit stellt für das Senden und Empfangen von Nachrichten.

Vor ein paar Jahren war es noch etwas besonderes wenn man ein Smartphone hatte. Ein kleiner Minicomputer in der Hosentasche, mit dem man jederzeit kommunizieren, sich informieren, Musik hören, surfen oder die Zeit vertreiben kann. Jetzt ein paar Jahre später ist es ähnlich wie bei den Röhrenbildschirmen. Kauft man sich ein „Handy“, kauft man sich ein Smartphone. Das klassische Handy ist zu einem unwesentlichem Faktor geworden. Mittlerweile kaufen sich auch diejenigen, die vor einiger Zeit noch gesagt haben: „So ein Quatsch brauch ich nicht“, ein Smartphone. Es ist ja nicht so, dass man es braucht. Es bietet aber neue Formen der Kommunikation, die vor ein paar Jahren nicht möglich gewesen ist.

Heute gibt es Facebook, Google + und andere Social Networks, in denen man sich fast automatisch anmeldet. Einfach weil es „normal“ ist. Whatsapp hat man, weil man über das Internet fast kostenlos Nachrichten, Bilder, Videos oder seinen Standort mit anderen Teilen kann, ohne nach Kontakten aufwendig zu suchen. Die Kontakte werden automatisch angezeigt.

Man chattet mit dem Partner, Freunden, in Gruppen, der Familie und allen möglichen Leute, egal wo diese sich gerade befinden. Man kann leicht, ohne am gleichen Ort zu sein, auf eine bestimmte Art und Weise den Tag miteinander verbringen. Klar das alles ist kein Ersatz für den echten Kontakt zwischen Menschen, aber es ist eine Ergänzung die Spaß macht.

Ich persönlich mag diese Entwicklung, bin mir jedoch der Gefahr dahinter bewusst. Unternehmen wie Google, Facebook, Microsoft, Apple oder auch Whatsapp und andere sammeln unermüdlich Daten über ihre Nutzer. Intelligente Algorithmen werten diese Daten aus und verknüpfen Sie mit weitern Daten. Es werden persönlich Profile über die Nutzer erstellt. Das Alter, die Interessen, die sexuelle Orientierung, die Freunde, die Kommunikationsformen, Interessen im Internet, Interessen im Alltag, die Lieblingsmusik, der Lieblingssport.. Ich könnte endlos weiter machen. Das sind alles sehr Wertvolle Informationen für die Unternehmen.

Aber warum? Mit Werbung lässt sich sehr viel Geld verdienen. Das beste Beispiel dafür ist Google. Google hat zwei Hauptdienste um Geld zu verdienen. Google Adwords und Google Adsense, Bei Google Adwords können Unternehmen Geld dafür bezahlen, dass ihre Werbung für das eigene Produkt bei den Personen landet, die sich für das Produkt interessieren könnten. Adsense ist die Gegenseite. Das kann man verwenden um Werbung auf seiner Website einzublenden und bekommt dafür Geld von Google. Google sammelt Daten und Informationen in all seinen Diensten, die Google Anbietet. Mittlerweile haben Sie Daten und Informationen von den meisten Internet Seiten und können den User im Internet quasi komplett verfolgen und relevante Daten sammeln. All das wird gemacht, um auf der einen Seite die eigenen Produkte zu verbessern und neue Produkte zu entwickeln. Es hat ja auch vorteile wenn die Dienstleistungen immer schneller und besser die für einen relevanten Informationen zur Verfügung stellt. Google ist sehr innovativ auf diesem Gebiet und hat Dienstleistungen die aus meinem Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Auf der anderen Seite verdient Google Geld durch die Nutzerprofile und die personalisierte Werbung, die man eingeblendet bekommt. Das Prinzip ist so einfach wie genial. Werbende bezahlen viel Geld für ihre Werbekampagne die Sie für bestimmte Interessensgruppen schalten. Derjenige, der die Werbung einblendet bekommt auch einen kleinen Teil vom Kuchen. Der Großteil des Geldes landet jedoch bei Google. Google Werbung ist effizient und genial.

So weit so gut. Das ist das Prinzip wie Google, Facebook und Co ihr Geld verdienen. Sollte soweit alles kein Problem sein, wenn diese Daten sicher in den Unternehmen bleiben würden und man ihnen vertrauen könnten. Dann hat Herr Snowden aufgedeckt, dass der Geheimdienst NSA das gleich macht, über alle Personen mit allen Daten die Ihnen zur Verfügung stehen. Die Unternehmen können nur auf Ihre eigenen Daten zugreifen und mit diesen arbeiten. Die NSA jedoch verfügt über die Daten all dieser Unternehmen und erhebt zusätzlich weitere Daten sämtlicher Kommunikationsformen. Die Begründung: Schutz der Bevölkerung vor Terroristen.

Prinzipiell kann ich das vorgehen der Unternehmen verstehen, weil sie Dienstleistungen bieten, die uns erstmal keinen Cent aus dem Geldbeutel ziehen, dafür halt mit anonymisierten Benutzerprofilen durch Werbung Geld verdient. Ich persönlich finde das ein legitimes vorgehen und wenn man das nicht möchte, muss man die Dienstleistung nicht in Anspruch nehmen. Die NSA auf der anderen Seite erstellt diese Nutzerprofile mit nahezu allen Informationen die zur Verfügung stehen und weißt Personen bestimmten Kategorien zu. Doch dieses automatisierte Profiling hat Auswirkungen auf den Alltag bzw. kann dramatische Auswirkungen in der Zukunft haben. Gesichtserkennung, DNA Informationen, Fingerabdrücke, einfach alles was möglich ist wird gesammelt und dient dazu Menschen zu identifizieren. Doch wer bestimmt was mit den Daten gemacht wird? Das Ziel ist ja nicht ein Werbedienstleister zu sein wie bei den privaten Unternehmen, sondern diese Informationen sind Macht. Eine Macht die wir als Bürger nicht kontrollieren können. Einmal was falsches im Internet gesucht und plötzlich hat ein Algorithmus die Person in eine Schublade gesteckt. Man weiß nicht nur die Vorlieben der Menschen, sondern kann diese Informationen gegen bestimmte Menschen verwenden.

Man kann sich verschiedene Szenarien vorstellen. Theoretisch kann man das Prinzip der Werbedienstleister jetzt auf den Alltag der Menschen übertragen. Herr Putin möchte keine homosexuellen in Russland, also besorgt er sich die digitalen Informationen wer Homosexuell ist und schüchtert diese Personen mit Staatsgewalt ein. Frau Merkel möchte keine linken Demonstranten bei Ihrer Rede, also werden potentiell „störende“ vorher eingeschüchtert und somit verhindert, dass Ihre Rede gestört wird… Ich will es nicht weiter ausführen, da theoretisch jedes Szenario vorstellbar ist. Und die Daten werden geheim gesammelt unter dem Vorwand des Terrorismus! Was man dabei bedenken sollte ist, dass dies nur ein Vorwand ist. Hochrangige Mafiosi werden nicht gefasst, da Sie wissen, dass die digitale Kommunikation und Information gesammelt und ausgewertet wird. Es würde keine 30 Minuten dauern bis die Polizei vor der Haustüre steht.

Sprich: Diejenigen, die als Vorwand für die Datensammlung der Geheimdienste dienen wissen genau wie sie kommunizieren und sich Verhalten müssen, damit sie nicht von diesem System erfasst werde. Es ist also nur ein Vorwand. Ein Vorwand der sehr gefährlich ist, weil sie der totalen Überwachung aller Menschen dient. Was mit den Daten gemacht wird ist bisher nicht gesetzlich geregelt und kann von niemanden kontrolliert werden. Es ist allerhöchste Zeit, dass es International geregelt und kontrolliert wird, was mit diesen Daten geschieht und vor allem dass es transparent wird. Man kann nicht einsehen, was über einen gespeichert ist, in welche Schublade man gesteckt wurde und irgendwelche Informationen revidieren, weil die Algorithmen nach bestimmte Kriterien Urteilen. Ein schwieriges Thema auf das ich irgendwann später zurückkommen will.

Mein eigentliches anliegen war und ist: Macht euch Gedanken darüber wie dieses System funktioniert und seid euch darüber bewusst, was mit diesen Informationen gemacht wird und angestellt werden kann. Man liest in den Kommentaren zu Artikeln über den NSA Skandal immer mehr Meinungen wie „Mir doch egal“, „Ich hab nichts zu verbergen“, … Darum geht es nicht. Es geht ums Prinzip und darum, dass dieses System undurchsichtig ist, man hilflos gegen die Verwendung (vor allem auf staatlicher Seite) ist und die Tendenzen in eine Richtung gehen, dass die Informationen reale Auswirkungen auf einen haben können durch staatliche Gewalt.

Die Übernahme von Whatsapp durch Facebook bringt hoffentlich mehr Menschen dazu sich darüber Gedanken zu machen. Man muss bewusster mit seinen Informationen umgehen. Deshalb habe ich auch darauf hingewiesen Whatsapp nicht mehr zu nutzen, sondern verschlüsselte Messenger zu nutzen, da es nicht umständlicher ist. Man kann ohne größeren Aufwand damit anfangen in bestimmten Bereichen dafür zu sorgen, dass Informationen nur für die Person ersichtlich sind, für die Sie bestimmt sind. Der Unterschied von Whatsapp zu den großen sozialen Netzwerken ist, dass man beim Kommunizieren das Gefühl hat nicht in einem Datensammel-Netzwerk zu sein, die mit Werbung ihr Geld verdienen, sondern einen Dienst hat der mit die private Kommunikation zu bestimmten Personen ermöglicht. So tauscht man automatisch intimeres über diese Messenger aus und hat ein Gefühl von Privatsphäre, obwohl das nicht der Fall ist. Stellt euch vor all das was ihr bei Whatsapp mit anderen austauscht schreibt ihr genau so auf Postkarten und werft diese in den Briefkasten. Ich bin mir sicher, dass bei Whatsapp oder dem Facebook Messenger Nachrichten gesendet werden, die man nicht auf eine Postkarte schreiben würde.

Macht euch Gedanken darüber und versucht wenigsten gewissen ganz intime Details die wirklich sonst niemanden etwas angehen, verschlüsselt (ohne Mehraufwand) zu kommunizieren. Ein gutes Beispiel hierfür ist Threema anstatt Whatsapp. Jede intime Textzeile weniger bei Whatsapp ist schon ein erfolgt für die Wahrung der eigenen persönlichen Informationen, die intim bleiben sollen.

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2 Kommentare zu “Whatsapp, Threema, Google, Facebook, NSA – Ein Kommentar
  1. Abendkleider sagt:

    Finde die Argumente sehr gut und danke euch für euer Engagement! Viele Grüße aus dem Nachbarbistum!

  2. Michael sagt:

    Ich arbeite seit paar Tagen mit Apps f

1 Pings/Trackbacks für "Whatsapp, Threema, Google, Facebook, NSA – Ein Kommentar"
  1. […] sollte Whatsapp gleich meiden und auf z.B. Threema umsteigen. Mehr zum Thema Datenschutz könnt ihr hier […]

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